Konzept
- Konzept des Vereins, Ideen, Visionen
Marschenprojekte e.V. möchte Künstlerinnen und Künstlern verschiedener Sparten ermöglichen, sich mit Projekten künstlerischer Forschung dem sensiblen Mikro-Kosmos der Marsch zu widmen: in kollaborativer, recherchebasierter Zusammenarbeit, die auch Wissenschaftlerinnen einbeziehen kann ebenso wie die lokale Bevölkerung mit ihren Perspektiven und ihrem Erfahrungswissen. Unterschiedliche künstlerische Formate wie Ausstellungen, site-specific Performances, Konzerte, partizipative, neu erfundene Formate können in der residency oesterfeld 04 in Dithmarschen entwickelt und zum Ende eines Projekts präsentiert werden. Die residency, ein ehemals reicher Marschenhof (Bj. ca 1890), liegt inmitten der flachen Marschen-Landschaft in Nähe der Eider bei Friedrichstadt. Mit seinem großen, in weiten Teilen nicht kultivierten Garten, ist oesterfeld04 heute eine „wilde“ Insel, umgeben von konventioneller Landwirtschaft, die vor allem durch Grasland geprägt ist. Die Kooperation des Vereins mit der residency ermöglicht Künstlerinnen und Künstlern einen unmittelbaren, sinnlichen Bezug zur Marschen-Landschaft, sie befinden sich „im Feld“, auch wenn die teils unsichtbaren Kräfte der Marsch sich erst mit der Zeit offenbaren werden.
Als bewegter Zwischenraum von Wasser und Land, in dem beständig Prozesse von Überflutung und Rückzug des Wassers die Grenzen zwischen den Elementen aufweichen, ist die Marsch in besonderer Weise vom Klimawandel betroffen. Die dem Meer abgetrotzten Flächen hinter den Deichen am Wattenmeer, liegen unterhalb des Meeresspiegels - auch oesterfeld04. Die Bedrohung durch steigende Meeresspiegel verbindet die hiesige Marsch mit vielen ähnlich betroffenen Regionen weltweit. Mit seinen Projekten möchte der Verein dazu beitragen, über die Beschäftigung mit dem Mikro-Kosmos Marsch ein planetarisches Bewusstsein zu fördern. In der vielschichtigen Beschäftigung mit diesem lebendigen, amphibischen Forschungsgegenstand kann dessen Potenzial für die Entwicklung von Ideen, Visionen und Konzepten genutzt und mit künstlerischen Mitteln Szenarien erprobt werden, die sich jenseits apokalyptischer Katastrophenbilder entfalten. Szenarien, wo menschliches und nichtmenschliches Leben sich im Austausch und Kooperation miteinander befinden und sich neue, gemeinschaftlich geprägte Handlungsräume entwickeln.
Zu den Projekten, in denen die Recherche im Rahmen künstlerischer Forschung im Mittelpunkt steht, möchte der Verein auch andere Veranstaltungsformate wie workshops, Expert*innen-Vorträge u ä. ermöglichen, die Themen zum Wissensbestand über die Marsch oder ästhetische Beiträge zum Leben in der Marsch aufgreifen. Über die Kooperation mit der residency oesterfeld04 hinaus möchte der Verein sowohl auf lokaler als auch auf globaler Ebene Teil von Netzwerken und Gemeinschaftsbildungen sein, die an ähnlichen Projekten arbeiten. So möchte der Verein geeignete Arbeiten, die in oesterfeld 04 realisiert worden sind, ebenfalls an anderen Orten zeigen, auch in urbanen Kontexten, etwa wenn diese sich in städtebaulichen Transformationsprozessen befinden, wie Neu-Erschließungen von Brachland zu gemeinschaftlich genutzten Grünzügen, Umgestaltungen / Um-Nutzungen von Leerstand etc.